Bildstöcken und alten Sagen: Schaurige Geschichten beim Geschichtlichen Herbst
Zu einem Spaziergang rund um Bildstöcke, Geschichten von Hexenwahn, Hungersnöten und grausamen Hinrichtungen nahm Autorin Astrid Lehmann die Teilnehmenden des Geschichtlichen Herbst mit. Anhand von Waldkircher Beispielen erzählte sie 700 Jahre Schwarzwaldgeschichte. Entlang der Kleindenkmäler wurde deutlich, wie viele Geschichten und persönlichen Tragödien sich hinter Bildstöcken und Grenzsteinen verstecken.
Bildstöcke und Grenzsteine an der St. Margarethenkirche
Pünktlich zum Glockenschlag der St. Margarethenkirche begann die Führung. Gleich zu Beginn ging es um einen Bildstock, der heute zwischen dem Elztalmuseum und der Kirche steht. Bildstöcke erinnern häufig an tragische Unfälle und sind zugleich Zeugnisse der Volksfrömmigkeit. Warum genau dieser Bildstock errichtet wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Ursprünglich stand er in der Gartenstraße, bevor er an seinen heutigen Standort versetzt wurde. Direkt daneben stehen mehrere historische Grenzsteine aus verschiedenen Teilen Waldkirchs. Lehmann erklärte, dass Grenzsteine früher nicht nur Grenzen markierten. Sie dienten auch als Orientierungspunkte für die Bevölkerung – insbesondere in einer Zeit, in der viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten. Manche Steine stehen zudem an markanten Orten und sind mit Sagen verbunden. Ein Beispiel ist der „Tote-Mann-Stein“ in Ettlingen. Eine der zahlreichen Geschichten rund um den Stein erzählte Lehmann so eindrücklich, dass es manchem Zuhörer einen Schauer über den Rücken jagte.
Wenn Kleindenkmale zu Zeugen der Geschichte werden
Viele der kleinen Denkmale, die früher das Waldkircher Stadtbild prägten, sind heute verschwunden. Ein Grund dafür ist die frühe Verleihung des Stadtrechts und die damit verbundene Entwicklung der Stadt, erklärte Lehmann. Im Lauf der Zeit wurden die Kleindenkmale bei der Erweiterung der Stadt zerstört oder als Baumaterial verwendet. Im Schwarzwald gibt es dagegen noch zahlreiche solcher Zeugnisse. An ihnen lässt sich Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes ablesen. Lehmann spannte deshalb einen weiten Bogen: von Jahren voller Missernten, in denen hungrige Wölfe bis in die Städte vordrangen, über den Hexenwahn und den Dreißigjährigen Krieg bis zu den Erbfolgekriegen.
Hinrichtungen als Spekatkel
Am Marktplatz erinnerte Lehmann an den früheren Galgen – ein Denkmal ganz anderer Art. Hinrichtungen waren früher öffentlich und wurden teilweise regelrecht zum Spektakel. Zuschauerinnen und Zuschauer kamen, um das Geschehen zu verfolgen; die besten Plätze wurden sogar verkauft. Essen und Getränke gehörten ebenfalls dazu. So führte die Veranstaltung die Teilnehmenden von einem unscheinbaren Stein zum nächsten und machte dabei deutlich, wie viel Geschichte in den kleinen Denkmälern am Wegesrand steckt.
Über den Geschichtlichen Herbst
Seit 26 Jahren bringt der Geschichtliche Herbst Waldkircherinnen und Waldkirchern, aber auch allen Interessierten verschiedene Facetten der Waldkircher Geschichte näher. Auch in diesem Jahr warten wieder rund 30 Veranstaltungen auf die Besucherinnen und Besucher. Weitere Infos und alle Veranstaltungen gibt es online:
zum Geschichtlichen Herbst.
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