Der Architekt der Orgeln: das Planungsbüro von Hans-Jürgen Reuschel OBM
In einer Orgelwerkstatt liegen Holz, Metall und Leder bereit. Bei Hans-Jürgen Reuschel sieht das anders aus. Sein wichtigstes Werkzeug sind Computer, Drucker, Papier, Bleistift und Maßstab. Der gelernte Orgelbauer plant Instrumente, lange bevor sie in einer Werkstatt entstehen. Er entwirft und konstruiert große Kirchenorgeln, die ganze Räume mit Klang füllen und Generationen überdauern. Im Jahr 2000 hat er sein Planungsbüro in Waldkirch gegründet.
Seine Arbeiten hat ihn an viele Orte der Welt geführt – nach Iowa in den USA, nach Spanien, Kopenhagen, Budapest, München und in viele weitere Städte. Denn für ihn gehört zum Planen mehr, als Zeichnungen anzufertigen. „Die Dimensionen kann man auf Fotos nicht einschätzen“, sagt er. Erst vor Ort erlebt er den Raum, hört seine Akustik und setzt sich, wenn möglich, selbst an die Orgel. So bekommt er ein Gefühl dafür, wie Instrument und Architektur später miteinander harmonieren.
Klang beginnt im Raum
Wer eine Orgel plant, entwirft nicht nur ein Möbelstück mit Pfeifen. Für Hans-Jürgen Reuschel beginnt die Planung mit einer entscheidenden Frage: Wie kann dieser Raum klingen? Die Architektur einer Kirche, ihre Größe, die Materialien und selbst die Position des Chors beeinflussen später den Klang. Musik ist für ihn weit mehr als Technik. „Sie transportiert Gefühle und berührt Menschen.“
Seine Entwürfe entstehen dabei nicht verkleinert auf dem Zeichenbrett. Reuschel zeichnet jede Orgel im Maßstab 1:1. Große Instrumente werden dadurch zu meterlangen Plänen. Eine der längsten Zeichnungen war acht Meter lang. So behält er jedes Detail im Blick – von den Proportionen des Gehäuses bis zur Anordnung der einzelnen Bauteile. Erst wenn auf dem Papier alles zusammenpasst, kann aus der Idee ein Instrument werden. Genau deshalb muss eine Orgel nicht nur gut aussehen oder technisch perfekt funktionieren – sie muss den Raum mit ihrem Klang erfüllen. „Der Klang muss berühren. Das schafft nicht jede Orgel.“
Vom Orgelbauer zum Planer
Eigentlich wollte Reuschel einmal Musik studieren. Doch schon während seiner Schulzeit begeisterte er sich für den Orgelbau. Er verließ das Gymnasium und begann eine Ausbildung zum Orgelbauer. Nach der Meisterschule wurde ihm klar, dass ihn besonders das Planen fasziniert. Über Stationen in Bayern führte ihn sein Weg schließlich nach Waldkirch.
Dass er selbst das Handwerk von Grund auf gelernt hat, ist ein großer Vorteil. Er kennt die Materialien, versteht die Mechanik und weiß, welche Möglichkeiten und Grenzen der Bau einer Orgel mit sich bringt. Dieses Wissen fließt in jede seiner Planungen ein. Seine umfassenden Erfahrungen gab er zudem als Dozent für mechanische Orgeln in der Ausbildung von Orgelsachverständigen weiter.
Jede Region hat ihren eigenen Klang
Seine Arbeit hat Hans-Jürgen Reuschel in viele Kirchen und Konzertsäle geführt. Dabei hat er festgestellt, dass Orgel oft den Charakter ihrer Region widerspiegeln. „Norddeutsche Orgel klingen eher spitz und scharf – fast wie der Dialekt dort“, erzählt er. Süddeutsche Instrumente dagegen wirken weicher und wärmer. Das liegt unter anderem an den unterschiedlichen Holzarten, die traditionell verwendet werden. So entwickelt jede Region ihre eigene Klangsprache – und genau diese Besonderheiten versucht Reuschel bei seinen Planungen zu berücksichtigen.
Zwischen Geschichte und moderner Technik
Jedes Projekt stellt andere Anforderungen. Bei historischen Instrumenten gibt die Geschichte die Richtung vor. Ziel ist es, den ursprünglichen Charakter der Orgel zu bewahren. Moderne Projekte eröffnen dagegen ganz neue Möglichkeiten. So plante Reuschel unter anderem eine Orgel in Würzburg, die über einen Computer gesteuert werden kann und sich sogar aus der Ferne spielen lässt.
Zu seinen besonderen Projekten zählt auch die neue Orgel der Universität Iowa. Nachdem das ursprüngliche Instrument bei einer Überschwemmung zerstört worden war, konstruierte er eine moderne Orgel mit schwarzem Gehäuse und zinnfarbenen Pfeifen. Zu jedem seiner Projekte entwickelt Reuschel eine persönliche Beziehung. Deshalb arbeitet er grundsätzlich nur an einer Orgel gleichzeitig. „Es gab Phasen, da konnte man mich vom Schreibtisch wegtragen“, sagt er schmunzelnd. Während einer Planung dreht sich für ihn alles um dieses eine Instrument.
Viele Interessen unter einen Klang bringen
Die Planung einer Orgel bedeutet nicht nur, ein Instrument zu entwerfen. Oft sitzen Kirchengemeinden, Architekten, Denkmalpfleger, Musiker und Orgelbauer mit am Tisch. Alle haben eigene Vorstellungen davon, wie die Orgel aussehen und klingen soll. Diese unterschiedlichen Wünsche zusammenzuführen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Planers. Gleichzeitig muss das Instrument selbst im Mittelpunkt bleiben. Am Ende soll eine Orgel entstehen, die Menschen berührt und sich harmonisch in den Raum einfügt.
Waldkirch als Zentrum des Orgelbaus
Auf seinen Reisen erlebt Reuschel immer wieder, welchen Ruf Waldkirch als Orgelstadt genießt. Oft wird er darauf angesprochen, dass er aus der traditionsreichen Orgelstadt kommt. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal für Waldkirch“, sagt er. Seine Begeisterung für die mechanischen Musikinstrumente ist auch nach vielen Jahren ungebrochen. Noch immer faszinieren ihn die technischen Zusammenhänge ebenso wie die Verbindung von Handwerk, Geschichte, Akustik und Gestaltung. „Selbst für mich als Fachmann ist es beeindruckend, wie das alles funktioniert. Orgeln sind technische Wunderwerke“, sagt er. Für die Zukunft wünsche sich Hans-Jürgen Reuschel vor allem eines: dass die jahrhundertealte Handwerkskunst des Orgelbaus lebendig bleibt und auch kommende Generationen begeistert.
Kontakt Planungsbüro Hans-Jürgen Reuschel OBM
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📍 Eisenbahnstraße 31
79183 Waldkirch -
📞 07681 926 3020
📞 0160 9190 8700
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