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Ideenwerkstatt "Bürgerbus" gut besucht

Aus allen Stadtteilen Waldkirchs und sogar aus Sexau waren Interessierte zum Informationsabend zum Thema „Ein Bürgerbus für Waldkirch“ in die Festhalle Buchholz gekommen. „Der heutige Abend soll dazu dienen, uns auf den Weg für einen Bürgerbus zu machen. Es wird zunächst im Mittelpunkt stehen, zu erfahren, was es mit einem Bürgerbus überhaupt auf sich hat“, betonte Oberbürgermeister Roman Götzmann. Ein besonderes Interesse daran habe sich in den Stadtteilen Suggental und Siensbach gezeigt. Dies ging aus einer Umfrage hervor, die Bestandteil des Projekts „Gut älter werden“ war. „Wir werden 2020 ein Jahr lang keinen Schienenverkehr haben und wie es im Anschluss mit dem Busverkehr aussieht, weiß man noch nicht. Und selbst, wenn viele der Busse bleiben, so sind doch manche Stadtteile in Waldkirch nicht gut angebunden“, so Götzmann.

Juliane Hehn, Seniorenbeauftragte der Stadt Waldkirch, stellte kurz die Ergebnisse des Prozesses „Gut älter werden“ vor und ging insbesondere auf die Umfrage in Bezug auf „Mobilität“ der befragten Menschen ab 55 Jahre ein. Bezüglich der Nutzung eines Bürgerbusses im Vergleich zu einem Sammeltaxi zeichnetet sich eine eindeutige Tendenz hin zur Nutzung des Busses: Weit über die Hälfte der Befragten würden ihn nutzen. Die Ergebnisse der gesamten Studie finden Sie unter dem folgenden Link auf den Internetseiten der Stadt Waldkirch: Ergebnisse „Gut älter werden“.

Unter dem Titel „Impulse aus der Praxis Bürgerbusse in anderen Städten“ stellten drei Vertreter die verschiedenen Alternativen vor.
Siegfried Thoma zeigte den Werdegang des „Städtlibusses“ in Endingen auf. 2010 war das erste Mal die Frage nach einem Bürgerbus aufgekommen, 2013 wurden dann von der Stadt Fahrer für den Bus gesucht und 2014 wurde dann ein Ducato zur Verfügung gestellt.

Im Vordergrund stand von Anfang an, die weiter von der Stadtmitte entfernten Stadtteile besser anzubinden. So wurde ein Rundkurs in der Stadt und Pendelverkehr in die Stadtteile eingeführt. Ziel war es vor allem, zum Einkaufsmarkt zu kommen oder in der Freizeit Fahrgelegenheiten wahrnehmen zu können.
Der „Städtlibus“ ist in den Fahrplan des RVVs eingebunden und es gelten auch dessen Tarife. Von den Kosten einer Fahrt von 2,40 Euro werden aber 1,10 Euro von der Stadt übernommen, sodass die Einzelfahrt 1,30 Euro für den Gast kostet. 2017 folgte der Erwerb eines Mercedes Sprinters mit einer automatisch öffnenden Tür. Finanziert wurde er durch den Verkauf von Werbeflächen auf dem Auto.

In der weiteren Entwicklung wurden Kundenwünsche aufgenommen und umgesetzt, wie beispielsweise der Beginn des Fahrplans um 8.15 Uhr statt 9.15 Uhr. Dazu kamen Haltestellen im Neubaugebiet und das häufigere Anfahren des Einkaufsmarkts. Der Bus verkehrt im regelmäßigen Takt. Den Fahrgästen war außerdem ein gedruckter Fahrplan wichtig. So werden jeden Tag 140 Kilometer gefahren, die Stadt rechnet mit dem RVV ab, besorgt Fahrkarten und bezahlt den Bus.

Aus Schramberg war der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Matthias Kohlhase, gekommen. Er berichtete zunächst, dass die Idee des Bürgerbusses 1988 zum ersten Mal in Deutschland umgesetzt wurde und dass Nordrhein-Westfalen mit mehr als 100 Stück, eine Vorreiterrolle innehabe.

„Die Tendenz ist generell permanent steigend“, so Kohlhase. Im Vergleich von Sammeltaxi zu fahrplanfestem Verkehr stehe der letztere im Vordergrund betonte er. „Für die Gründung eines Bürgerbusses sind drei Partner nötig“, berichtete Kohlhase. „Das ist der Bürgerbusverein, die Kommune und ein Verkehrsunternehmen.“

Insgesamt sei die Fülle der Aufgaben, einen Bürgerbus zu betreiben nicht klein. So seien nicht nur die Fahrer zu finden, sondern auch Sponsoren, das Fahrzeug sei zu pflegen, die Fahrdienste zu organisieren, der Tarif und der Fahrplan festzulegen und vieles Weiteres, gab Kohlhase zu bedenken.

Da in Schramberg keine Konkurrenz zu den Verkehrsunternehmen gegeben ist, kann unabhängig von ihnen agiert werden. „Wir fahren immer da, wo die Verkehrsunternehmen nicht fahren“, so Kohlhase. Der Verein in Schramberg nimmt für die Erstellung der Bilanz die Dienste eines Steuerberaters in Anspruch, der durch die Stadt bezahlt wird. Der Erwerb des nötigen Personenbeförderungsscheins mit einem Reaktionstest, einem Seh- uns Gesundheitstest sei für keinen der aktuellen Fahrer ein Problem gewesen.

Der Bürgermeister aus Kirchzarten, Andreas Hall und Stefan Saumer stellten die Initiative „Dreisamstromer“ vor. In Kirchzarten hatte eine Umfrage der EWK (Energien und Wasser Kirchzarten) den Impuls für einen Bürgerbus gegeben. Zunächst probierte man den Betrieb beim Schlossfest mit einem kleinen Fahrplan aus und startete eine Online-Umfrage. Diese ergab, dass bestimmte Ortsteile ein großes Interesse an einer Busverbindung haben. Zu Beginn hatten die EWK die Initiative mit Anzeigen unterstützt, beispielsweise bei der Suche nach Fahrern.

Man war sich schnell einig, dass die Form eines Vereins die beste Lösung sei. Nach einer „Tour durch die Stadtteile“ und der Besichtigung von Bussen habe man einen Finanzierungsplan zusammengestellt. Ein Busunternehmer stellt noch heute den Bus gegen einen Kilometerpreis zur Verfügung. Es werden drei Bereiche außerhalb von Kirchzarten angefahren und innerorts gibt es zwei Linien, die jeweils im Wechsel bedient werden. Der Fahrplan enthält über 80 Haltestellen, wobei keine ausgeschildert ist und das Motto „Wink und Fahr“ gilt. Das heißt, gibt ein Mitfahrer am Straßenrand ein Zeichen, hält der Bus und lässt nach Bedarf zusteigen.

Auch dieser Bus fährt genehmigungsfrei. Die Mitfahrkosten sind gratis für Besitzer von Konus- und Regiokarte, ansonsten gibt es Einzelfahrscheine für einen Euro. Die entstehenden Kosten werden durch Sponsoringeinnahmen gedeckt. Nach einiger Zeit wurde der Fahrplan nachgebessert und auf nur noch vier Linien, die nun im Takt fahren, reduziert. Die Verwaltung der Einnahmen war so aufwändig, dass nun auch auf den einen Euro pro Fahrt verzichtet wird. Inzwischen werden jedes Jahr 13.000 Personen befördert.

Im Anschluss verteilten sich die Interessenten an den Tischen und konnten ihre Fragen an die Initiatoren der einzelnen Initiativen Fragen stellen. Besonders viele Bürger versammelten sich beim Bürgerbusverein des „Dreisamstromers“. Spontan hatte sich außerdem eine vierte Gruppe gebildet, die bereits Ideen sammelte, wo die Buslinie verlaufen könnte. Besonders erfreulich ist, dass sich bereits fünf Personen gemeldet haben, die einen Bus ehrenamtlich fahren würden.

Udo Wenzl der den Informationsabend leitete, bat darum, sich bei Interesse an der Weiterentwicklung in eine Liste einzutragen. Voraussichtlich wird der nächste Schritt ein Vororttermin in Kirchzarten sein, bei dem der Bürgerbus ausprobiert wird.

(Erstellt am 29. November 2019)

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