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Viel Zuspruch zur Bürgerwerkstatt

58 Interessierte waren zur Bürgerwerkstatt „In der Elzschleife“ gekommen, um eigene Vorschläge zum geplanten Neubaugebiet einzubringen.

Rund fünf Hektar ist die Fläche im Stadtteil Kollnau groß. Der derzeitige Testentwurf sieht 472 Wohneinheiten vor, in denen rund 990 Bewohner:innen ein neues Zuhause finden könnten.  

Oberbürgermeister Roman Götzmann betonte: „Die Gestaltung eines ganz neuen Wohngebietes ist eine besondere Aufgabe. Es wird wohl das größte Baugebiet innerhalb der Stadt der letzten Jahrzehnte. Es bietet eine große Chance, Maßstäbe für das Thema Klimaschutz zu setzen und damit die richtigen Weichen für die kommenden Generationen zu stellen.“

Götzmann führte außerdem aus, dass das Baugebiet ein aktiver Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes werde und damit auch eine Perspektive, sich das Wohnen in Waldkirch wieder leisten zu können.
Katharina Riedel, die die Bürgerwerkstatt moderierte, fragte die Teilnehmenden zunächst, wer länger als 20 Jahre in Waldkirch lebe. Das war für die meisten der Fall. Die Frage: „Haben Sie sich schon einmal mit dem Baugebiet befasst?“ beantworteten ebenfalls fast alle mit „ja“, rund ein Drittel antwortete, dass sie skeptisch in den Workshop starteten.

Den Testentwurf für das neue Wohngebiet „In der Elzschleife“ stelle Sören Radigk vor, der innerhalb der Abteilung Stadtentwicklung das Projekt leitet. „Es sind bereits im Vorfeld zahlreiche Konzepte und Leitbilder der Stadt eingeflossen“, erklärte Radigk. Dazu gehören beispielweise das Leitbild 2020 der Stadt Waldkirch, „Gut älter werden“, das integrierte Klimaschutzkonzept, insbesondere aber die Ergebnisse der letzten Bürgerwerkstatt.

Rund 30 Einzelaspekte umfasst die Liste der Ideen und Wünsche, die damals zusammengetragen wurden.

Gewünscht wurde im Bereich „Planung des Wohngebiets“ vor allem, dass nicht Bauträger, sondern bevorzugt Baugruppen den Zuschlag erhalten sollen.  Als Bauweise wurde eine Mischbebauung auch mit Reihenhäusern gewünscht, außerdem sollen Mehrgenerationenwohnkonzepte bevorzugt werden.

„Das Quartier soll CO²-neutral sein und der Hochwasser- und der Schallschutz gewährleistet“, berichtete Radigk. Die Parksituation solle sich im Zusammenhang mit dem Schwimmbad in der Zukunft verbessern, außerdem solle Carsharing sollte hohe Priorität haben.

Da die Stadtbau Waldkirch GmbH im Besitz des gesamten Grundstücks ist, habe man uneingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten. „So kann bei der Vergabe das beste Konzept statt das mit dem höchsten Preis zum Zuge kommen“, sagte Radigk. Die Vergabe von Grundstücken könne so vor allem an Baugruppen und für genossenschaftlichen Wohnbau erfolgen. Zusätzlich soll es geförderten Wohnungsbau geben.

Aufgrund des weiterhin steigenden Bedarfs wurde Raum für eine Seniorenwohnanlage eingeplant – ebenso eine Kindertagesstätte. Bei beispielswiese 400 vorgesehenen Wohneinheiten werden rechnerisch eine Krippengruppe und zwei Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten oder sogar Ganztagsbetreuung benötigt.

Ein weiteres Ziel der Planung ist die Berücksichtigung der Inhalte aus dem integrierten Klimaschutzkonzept. Diese Vorgaben decken sich, mit Ausnahme der Forderung Flachdächer zu verbieten, weitgehend mit den Vorschlägen aus der ersten Bürgerwerkstatt.

„Ein besonders wichtiges Anliegen war die Verbesserung der Parkplatzsituation am Schwimmbad. Im Nordosten des Grundstücks grenzt eine dreieckige Fläche an, die für Wohnungsbau nur schlecht genutzt werden kann“, führte Radigk aus. Auf der entstehenden Gesamtfläche sollen ein Parkhaus und weitere Stellplätze entstehen, sodass die Schwimmbadallee entlang der neuen Grundstückslinie gerade verläuft und im rechten Winkel in die Hauptstraße einmündet.

Auf dem der Wohnbebauung angrenzenden Bereich des Gebiets könnten Reihen-, Ketten- und Doppelhäuser mit geringerer Höhe und Satteldach gebaut werden, die einen fließenden Übergang von der Wohnbebauung zu den Bauten mit maximal vier Geschossen im Inneren möglich macht. Die letzteren werden mit Flachdächern ausgestattet sein, um später in Kombination mit PV-Anlagen auch Dachbegrünungen vorsehen zu können.

„In der Mitte könnte eine Grünfläche mit einem Quartiersplatz, einem Café und einem Spielplatz entstehen“, bemerkte Radigk. Gemäß offizieller Wetterkarte sei die Hauptwindrichtung aus Südwest, sodass die Ausrichtung der Grünfläche mit Blick auf den Klimawandel zusätzlich für eine gute Belüftung des Quartiers sorgt.

Durch die Anordnung der Bauten ist der Einfall von Tageslicht in die Wohnungen hinein möglichst lange am Tag gegeben. Die Anordnung des Seniorenwohnheims und der Kita am Rand des Wohngebiets ist vor allem der direkten Erreichbarkeit mit dem Auto geschuldet.

„Wir erreichen die weitgehende Autofreiheit dadurch, dass wir die Tiefgaragenzufahrten an der Hauptstraße und an der neuen Schwimmbadallee anordnen. Die Autos tauchen bereits am Plangebietsrand ab und verschwinden“, führte Radigk aus. Der Verkehrsabfluss erfolge so vor allem über die Hauptstraße, sodass die Kollnauer Straße nicht weiter belastet werde. Die zwei Bushaltestellen „Waldhorn“ und „Realschule“ rahmen das Plangebiet im Nordwesten ein.

„Kann man abschätzen, wie lange es dauert, bis mit der Bebauung begonnen werden kann?“, fragte im Anschluss ein Teilnehmer.  Besonders schwierig stelle sich in dieser Beziehung die Einschätzung der Dauer zur Herstellung des Hochwasserschutzes dar. „Da die Elz ein Gewässer erster Ordnung ist, ist an dieser Stelle das Regierungspräsidium Freiburg zuständig. Da sind wir als Stadt sehr abhängig davon, wie die Planung des RPs voranschreitet“, bemerkte Radigk.

Innerhalb der folgenden 25 Minuten sammelten die Teilnehmenden in Gruppen zusätzliche Ideen zu den Ergebnissen aus der ersten Bürgerwerkstatt und bewerteten den Testentwurf.

Insgesamt fielen die Äußerungen positiv aus. Vor allem der Aspekt Ökologie und die Attraktivität des zukünftigen Wohngebiets mit einer großzügigen Weitläufigkeit wurden positiv gesehen. Auch die Berücksichtigung von Senior:innen, Kindern und geplantem generationenübergreifenden Wohnen sei sehr zu begrüßen. Bauen in Gruppen und die Grundflächen der Häuser mit nicht zu dichter Bebauung wurden hervorgehoben ebenso die vorhandenen Gemeinschaftsflächen.
 
„Gibt es eine Bedarfsanalyse für das Wohnen?“ „Brauchen wir das wirklich?“, waren dagegen Fragen die aufkamen. Die Fläche solle nur genutzt werden, wenn sie wirklich benötigt werde, war einerseits ein Kommentar. Auf der anderen Seite wurde die Planungs- und Bauphase mit zehn Jahren als zu lang bemängelt. So werde das Baugebiet keinen Beitrag zur Beseitigung der akuten Wohnungsnot leisten.

Negativ wurde der Verzicht auf planerischen Wettbewerb angemerkt. Die Sorge der Verdrängung von Einheimischen wurde ebenso genannt und der Wunsch geäußert, bei der Vergabe Einheimische zu bevorzugen. Kritisch wurde der Hochwasserschutz und eine möglicherweise stärkere Belastung der Kollnauer Straße, aber auch der gesamten Infrastruktur gesehen.

Konkrete Vorschläge waren beispielsweise die Installation einer Anlage zur Regenwassernutzung, einer dezentralen Energieversorgung oder auch die Bevorzugung von Bauplanung nach dem Motto: „aus eins mach zwei“, bei der aus einer großen Wohnung durch einfach bauliche Maßnahmen zwei kleine werden können.

Nach der Mittagspause stellte Bastian Wetzke die Aufgaben des Kompetenznetz Klima Mobil vor. Schwerpunkt des Netzwerks ist die Unterstützung von Kommunen in Baden-Württemberg in der Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz im Bereich des Verkehrs.

Tim Hilgert ging kurz auf die Möglichkeiten und Chancen ein, die der Entwurf eines neuen Baugebiets bietet. „Es sollen nicht nur im Neubaugebiet, sondern auch darüber hinaus klimafreundliche Alternativen der Mobilität vorhanden sein“, betonte Hilgert. Es bringe nichts, im Quartier gut mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können und dann schließt sich dem nichts an.

„Aus diesem Grund haben wir Maßnahmen identifiziert, die wir in einem Steckbrief zusammengefasst haben.“

Diese Maßnahmen konnten die Teilnehmenden dann mittels eines Spinnennetzes mit einzelnen Aussagen und Methoden bewerten. Die zum Teil konkreten Aussagen wie „Ich wünsche mir weitere Verbesserungen für den Radverkehr in Kollnau“ und „Ich finde eine Fahrradzone in Kollnau sinnvoll“, waren dabei gemischt mit allgemeineren wie  „Die Einrichtung einer Fahrradzone bietet ein sicheres Umfeld für Verkehrsteilnehmende zu Fuß und mit dem Rad.“

Daneben wurden Möglichkeiten vorgestellt, wie die Aufenthaltsqualität durch eine Regulierung des Verkehrs mittels Ladezonen, Parkraumbewirtschaftung oder einen Stellplatzschlüssel verbessert werden kann, in welcher Form in Kollnau neue Mobilitätsformen etabliert werden könnten, die nicht nur zum Klimaschutz, sondern auch zu einer Verminderung des motorisierten Verkehrs beitragen können oder wie die Infrastruktur mittels einer Fahrradzone verbessert werden kann.

Ein besonderer Dank gilt der Technik AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und den Jugendlichen des Jugendforums, die über die ganze Zeit hinweg die Veranstaltung unterstützten.

Der Film, die Ergebnisse und die Dokumentation der Bürgerwerkstatt werden auf der städtischen Internetseite unter www.stadt-waldkirch.de in der Rubrik „Bauen & Wohnen“ unter dem Stichwort „Entwicklung des Gebiets „In der Elzschleife“.

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