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Landesseniorentag in Waldkirch

Unter dem Motto „Wir mischen mit“ kamen 800 ältere Menschen aus ganz Baden-Württemberg nach Waldkirch in die Stadthalle. Die Stadt Waldkirch hatte den Landesseniorentag unter im Heimattagejahr in Zusammenarbeit mit dem Landesseniorenrat organisiert.

Der stellvertretende Vorsitzende des Landesseniorenrats Baden-Württemberg, Uwe Bähr, begrüßte alle Gäste ausführlich und bemerkte, dass es 1.111 Gemeinden im Land gebe, davon aber sehr viele ohne Seniorenvertretung. „Es gibt 42 Kreisseniorenräte und 180 Ortsseniorenräte. Wir arbeiten daran, dass die weißen Flecken gefüllt werden“, so Bähr. Er ist vertritt die Meinung, dass Seniorenräte institutionalisiert werden sollten. Der Landesseniorenrat habe deshalb bereits einen Antrag auf Aufnahme in die Gemeindeordnung gestellt. „In Waldkirch gibt es einen gut funktionierenden Stadtseniorenrat, der sich in sehr einsetzt“, lobte er das Engagement.

„Wir mischen mit, manchmal mischen wir auch auf“, begrüßte Ursula Querfurth als erste Vorsitzende des Stadtseniorenrats Waldkirch die Gäste und betonte, dass Ehrenamt gefragt ist, wie nie. 70% der zu Pflegenden würden zuhause gepflegt, da müsse sich aber dennoch die Frage stellen wie lang die Kraft dazu ausreiche. Zu den vielen Schließungen von Krankenhäusern bemerkte sie, dass man im sozialen Bereich nicht nach der Rentabilität fragen dürfe und forderte: „ Weg mit der Fallpauschale!“

Ohne Ehrenamt geht nichts, auch kein Landesseniorentag.

„Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden“, brachte es Oberbürgermeister Roman Götzmann auf den Punkt. Deshalb habe man sich in Waldkirch auf den Weg gemacht und das Projekt „Gut älter werden“ ins Leben gerufen. Die auf den Ergebnissen der Umfrage basierende Bürgerwerkstatt habe bereits einige Vorschläge und Ideen gebracht wie beispielsweise einen Bürgerbus zu initiieren oder die Anregung, Angebote für Seniorinnen und Senioren in den Stadtteilen zu schaffen. „Es lohnt sich also mitzumischen“, bemerkte er und bedankte sich ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen, ohne die der Landesseniorentag gar nicht möglich gewesen wäre.

Landrat Hanno Hurth ging kurz darauf ein, dass man in einem Zuzugsgebiet mit geringer Arbeitslosigkeit lebe, dass aber auch hier eine steigende Anzahl der über 60-Jährigen zu verzeichnen sei. So seien die 60- bis 75-Jährigen geistig und körperlich fit und würden sich auch sehr stark ehrenamtlich engagieren. „Man muss sich vor allem den über 75-Jährigen annehmen. Die Arbeit für diese Menschen wird immer wichtiger und ist eine Herausforderung für unsere Sozialpolitik“, so Hurth. Er wies auch daraufhin, dass ab 2030 voraussichtlich etwa 170 Pflegeplätze im Landkreis fehlen werden und zudem schon jetzt Pflegekräfte sehr gesucht seien. Die Attraktivierung dieses Berufs sei eine ganz wichtige gesamtpolitische Aufgabe. Er wandte sich an die Vertreterinnen und Vertreter des Kreisseniorenrats Emmendingen, der bereits über 40 Jahre lang existiert. Er dankte für das kompetente und engagierte Einbringen: „Wir brauchen dieses Engagement auf kommunaler und auf Kreisebene“, so Hurth.

Die Vizepräsidentin des Landtags, Sabine Kurtz, sah die Ambivalenz des Themas der Interessen der Seniorinnen und Senioren in Baden-Württemberg. Es bestehe wohl der Wunsch nach einer stabilen Gesundheit und nach sozialen Kontakten, dies sei aber in vielen Fällen nicht der Alltag. Dieses Thema sei noch nicht zufriedenstellend gelöst. Sie wünscht sich deshalb, dass alle Generationen in einen Dialog treten. „Der Einsatz für Fragen der Zukunft darf mit dem Alter nicht aufhören“, rief sie die Anwesenden auf, wies aber dennoch darauf hin, dass die Politik handeln müsse. So gebe es bereits erfolgsversprechende generationenübergreifende Angebote wie das Quartier 2020. „Sie übernehmen Verantwortung für die Gesellschaft dafür danken wir Ihnen“, richtete sie ihre Worte an die Anwesenden. Aufgrund der Individualisierung der Gesellschaft stehe der innere Zusammenhalt auf dünnen Beinen“, so Kurtz. Das könne zu einer Zersplitterung der Gesellschaft beitragen Schon heute spiegle sich das auch in den Parteien wider. „Vielleicht kann es auch eine Aufgabe von Ihnen als Senioren sein, darauf einzuwirken“, richtete sie ihre Worte an die Gäste des Landesseniorentags und betonte: „Bleiben Sie dran, mischen mit, helfen Sie Brücken zu bauen für unsere Gesellschaft.“

Sozialminister Manne Lucha wandte sich mit dem Appell an die Seniorinnen und Senioren, nicht dem Stereotyp von „die sind alt, gebrechlich und senil“  zu entsprechen und betonte: „Sie beweisen mit dem Satz „wir mischen mit“ genau das Gegenteil.“ Ältere in Kombination mit jüngeren Menschen seien bei der Arbeit unerlässlich, aber auch im Ehrenamt sei das Engagement der Älteren besonders wichtig.
„Ältere Menschen wollen mitreden und mitgestalten. Das sehen wir heute an diesem Tag“, so Lucha. Teilhabe sei keine Sache des Alters, sondern der Einstellung und der Möglichkeiten. Deshalb spielten die Seniorenräte eine zentrale Rolle. „Der gesellschaftliche Zusammenhalt kann nur funktionieren, wenn wir uns die Handgeben und gemeinsam Anpacken.“ Man müsse sich auch die Frage danach stellen, wie man zusammenleben wolle: „Lebendige Quartiere können eine Antwort darauf sein“, bemerkte auch Manne Lucha. Kommunen hätten da das Steuer in der Hand.

Im Anschluss stellten die Vertreter der Seniorenräte innerhalb einer Podiumsdiskussion vor allem die Frage nach der Möglichkeit zur Aufnahme von Beteiligungsrechten in der Gemeindeordnung  für Seniorinnen und Senioren äquivalent zu §41a, der die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen regelt. Andreas Schwarz (Grüne), Klaus Burger (CDU), Christina Baum (AfD), Andreas Stoch (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP) standen Rede und Antwort. 
Einer rechtlichen Festschreibung von Beteiligung älterer Bürgerinnen und Bürger standen die Politikerin und Politiker übereinstimmend nicht positiv gegenüber. Im Unterschied zu Kindern und Jugendlichen haben Seniorinnen und Senioren vielfältige Möglichkeiten sich zu beteiligen, unter anderem im Rahmen von Seniorenräten.

Die Frage nach einer Vision für die Politik bis 2015 beantwortete der Andreas Schwarz, indem er darauf hinwies, dass im Mittelpunkt der Politik das gute Zusammenleben der Generationen stehen soll: „Die Programme müssen demografiefest gemacht werden“, forderte er. Andreas Stoch sieht es als essentielle Aufgabe der Politik, ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhindern.  „Teilhabe ist nicht nur Barrierefreiheit“, sagte er. Man brauche eine Gesellschaft, die zusammenhält, sonst werde das populistisch ausgeschlachtet. Auch Hans-Ulrich Rülke warnte vor Konflikten und rief dazu auf, „Empathie für die jeweils anderen zu entwickeln.“

Zum Thema wohnortnahe Versorgung äußerten sich die Politiker zurückhaltend. Man müsse einen Supermarkt auch auf dem Land zulassen und die Innenstädte attraktiver gestalten. „Wir haben zu viel geglaubt, der Markt wird es richten“, so Stoch. Er sieht die Förderung von Dorfläden und Landärzten  als wichtig dafür an, die Entwicklung in diese Richtung anzustoßen.

Im Anschluss an das Mittagessen stand den Seniorinnen und Senioren ein breit gefächertes kulturelles Programm vom Seniorenkläppern über den Besuch der Orgelstiftung bis hin zu einem Generationendialog offen.

(created on 09. July 2018)

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