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Inklusion

Inklusion ist, wenn jeder ganz selbstverständlich dazugehört

Das Ziel einer inklusiven Kommune ist es, allen Menschen die Möglichkeit zu bieten, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Inklusion meint nicht, dass alle gleich sein müssen, sondern zielt vielmehr darauf ab, Unterschiede und Anderssein als normal zu verstehen. Leider ist es so, dass Menschen, die „anders“ sind - sei es durch Behinderung, Alter, Krankheit, Geschlecht oder Herkunft – häufig Benachteiligung und Ausgrenzung erfahren. Zwar wird im Zuge von Inklusion oft von Menschen mit Behinderungen gesprochen, jedoch richtet sich der inklusive Blick auf die ganze Gesellschaft.

Die nebenstehende Darstellung zeigt anschaulich, welche Unterschiede sich hinter den Begriffen Integration und Inklusion verstecken. Bei der Integration bleiben „die anderen“ (kleiner Kreis) erkennbar für sich. Ein Nebeneinander wird beschrieben. Bei der Inklusion dagegen wurde aus dem Nebeneinander ein Miteinander. Das heißt, dass die Unterschiedlichkeiten von Menschen als normal verstanden werden und nicht mehr Kriterium von Ausschluss und Benachteiligung sind.

Inklusion geht alle an

Inklusion ist ein Thema, das alle Ebenen der Gesellschaft mit einbezieht. Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Inklusion fordern und fördern. Wegweisendes Dokument hierbei ist die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (kurz: UN-BRK). Als Unterzeichner der Konvention hat sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verpflichtet, die Inhalte umzusetzen und gegebenenfalls Gesetze und Regelungen anzupassen.

Als strategisches Instrument für die Umsetzung sind Aktionspläne üblich. Darin werden geplante Maßnahmen und Ideen aufgeführt, ein zeitlicher Rahmen gesetzt und – wenn möglich – Angaben zu den Kosten gemacht. Solche Aktionspläne werden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene genutzt. Laden Sie den Aktionsplan herunter. (8,1 MB)

Damit Inklusion gelingen kann, müssen Barrieren, auf die Menschen mit Behinderungen Tag täglich stoßen, abgebaut werden. Es handelt sich dabei nicht allein um Barrieren der physischen Umwelt, wie beispielsweise die Beschaffenheit von Gebäuden, Straßen, Transportmittel etc., sondern auch um Informations- und Kommunikationstechnologien. Hinzu kommen Barrieren in den Köpfen der Menschen. Falsche Bilder und Berührungsängste Menschen mit Behinderungen gegenüber sind keine Seltenheit. Häufig fällt daher der Satz „Inklusion fängt im Kopf an“, denn nur verändertes Denken führt zu verändertem Handeln.

Behindert sein versus behindert werden

„Behindert ist man nicht, behindert wird man“ – so beschreiben viele Menschen mit Behinderung ihre Situation. Diese Aussage bietet einen guten Ausgangspunkt, um den Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe, der durch die Behindertenrechtskonvention eingeläutet wurde, zu beschreiben. Lange Zeit wurde eine Behinderung oder Einschränkung als individuelles Defizit betrachtet, das die Teilhabechancen von Betroffenen einschränkt. Das heißt, dass Teilhabe aufbaut auf gesellschaftlichen Vorstellungen davon, was als „normal“ und damit erwartbar, vorausgesetzt wird. Wer – in welcher Weise auch immer – „anders“ ist, muss damit rechnen, im alltäglichen Leben auf Barrieren zu stoßen, die nicht ohne weiteres zu überwinden sind.

Unterschiedliche Voraussetzungen führen also dazu, dass nicht alle gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Mit dieser Sichtweise wird es immer Menschen und Gruppen geben, die aufgrund ihres Andersseins an der vollen Teilhabe gehindert werden, sei es aufgrund einer Behinderung oder Krankheit, Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung usw.

Hier setzt nun der inklusive Denkansatz den Hebel an. Das Verständnis von Normalität wird in Frage gestellt und demontiert. Statt sich daran zu orientieren, was gemeinhin unter „normal“ verstanden wird, wird vielmehr davon ausgegangen, dass sich Gesellschaften generell aus sehr unterschiedlichen Gruppen und Menschen zusammensetzen und dass Verschiedenheit und Vielfalt sich positiv auf gesellschaftliche Prozesse auswirken. Eine inklusive Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Verschiedenheit selbstverständlich ist und dass das Gemeinwesen so gestaltet ist, dass alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können.

Behindert werden, um auf den Ausgangssatz zurückzukommen, drückt demnach aus, dass das Gemeinwesen noch nicht so gestaltet ist, dass es allen gerecht wird. Der Gedanke, nicht die Einschränkung eines Menschen als Ursache für Teilhabenachteile zu verstehen, sondern die  äußeren Umstände und Bedingungen mit heranzuziehen, findet sich in der Präambel der UN-Behindertenrechtskonvention wieder, wo es heißt,

„…dass Behinderung aus der Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und einstellungs- und umweltbedingten Barrieren entsteht, die sie an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern.“ (UN-Behindertenrechtskonvention, Präambel, e)

Inklusion ist mehr als eine Bildungsfrage

Gegenwärtig wird Inklusion sehr stark im Bereich der Bildung und Erziehung diskutiert. Modelle werden entwickelt, die es auch Kindern mit Behinderungen und Einschränkungen ermöglichen sollen, an Regelschulen unterrichtet zu werden. Doch für eine erfolgreiche Inklusion müssen die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Lebens beachtet werden. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass die defizitäre Sichtweise ersetzt wird durch eine positive. Statt den Fokus darauf zu legen, was jemand nicht kann, geht es vielmehr darum, die Kompetenzen und Stärken einer Person zu erkennen und zu fragen, welche Bedingungen gebraucht werden, damit diese voll entfaltet werden können.

Eine große Frage ist beispielsweise, was getan werden muss, damit Benachteiligungen für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt abgebaut werden. Auch in den Bereichen Mobilität, Kultur und Freizeit kommt es schnell zu Ausgrenzungen. Nicht selten wird Benachteiligung geschaffen, weil die Verantwortlichen erforderliche Maßnahmen für Menschen mit Einschränkungen nicht im Blick haben, nicht daran denken. So ist barrierefreies Bauen nicht wesentlich teurer, wenn es schon in die Planung mit einfließt. Ebenso ist es möglich, Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren, wenn Arbeitsplätze so gestaltet sind, dass sie auf die individuellen Bedürfnisse angepasst sind.

Behinderung im Wandel Zeit

Der Rückblick umfasst sehr unterschiedliche historische Phasen, beginnend in der Antike bis in die Gegenwart. Dabei werden verschiedene Epochen der Geschichte daraufhin beleuchtet, wie Menschen mit Behinderungen wahrgenommen und behandelt wurden. Herausgearbeitet werden soll das jeweilige Konzept von Behinderung, sofern es eines gab und welche Prozesse der Ausgrenzung zu einer bestimmten Zeit wirkten.

Betrachten wir die Geschichte und ihren Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen, erfahren wir auch immer etwas über vorherrschende Denkmuster, die den Umgang von Menschen untereinander mitbestimmen. Modelle von „Behinde­rung“ sind stets wandelbar gewesen, Muster der Ein- und Ausgrenzung sind dyna­misch und verschiebbar.

Um eine Gesellschaft zu schaffen, an der alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können – unabhängig davon ob sie eine Behinderung haben oder nicht – ist es wichtig, sich klar zu werden, wo Ausgrenzungsmechanismen noch wirksam sind und wo – auch im eigenen Kopf – noch Barrieren vorhanden sind. Dieser Rückblick soll daher nicht nur informieren, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Hinweis: Die hierfür verwendeten Informationen stammen großteils aus: „Wir sind bunt und frech – mutig und laut“ (Hrsg. Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, Berlin 2014) und „Inklusion als Menschenrecht“ Online Handbuch (Hrsg. Deutsches Institut für Menschenrechte e.V., Berlin). Die verwendeten Fotos stammen von Wikipedia.

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