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Sofaplausch mit der Landtagspräsidentin

Alfred Stratz spielte seine selbst gebaute Drehorgel.

Zum „musikalisch umrahmten Sofaplausch mit Drehorgel“ aus der Gesprächsreihe des Deutschen Familienverbandes Baden-Württemberg „Heimat und Familie“ begrüßte Alexander Schoch (MdL) Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Pfarrer Christian Lepper und Pfarrer Heinz Vogel. „Familienbild und Werte“, war das Thema unter dem die Podiumsdiskussion im Gewölbekeller des Elztalmuseums stand.

Als Ehrenvorsitzender des Familienverbandes hatte Uto Bonde zunächst eine große Menge statistisch erhobener Zahlen zum heutigen Leben in Familien mitgebracht, die einige Widersprüche in sich aufzeigten und erste Fragen zum Familienbild aufwarfen.

Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung moderierte den Abend und fragte nach einer kurzen Vorstellung der Landtagspräsidentin Muhterem Aras: „Wie erklären Sie Baden-Württemberg Besuchern aus anderen Bundesländern?“ Sie sehe Baden-Württemberg vor allem durch seine starken Kommunen geprägt und das Land habe viele Besonderheiten, eigene Identitäten. „Und wie wir es gerade erst wieder gehört haben, hat Baden-Württemberg die höchste Lebensqualität.“

Sogar der Duden führe inzwischen den Plural von Heimat auf, so Aras auf die Frage von Michael Wehner hin, ob es auch mehrere Heimaten geben könne. „Für mich ist Deutschland meine Heimat, Stuttgart, meine Straße, meine Umgebung. Erinnerungen an die Türkei sind noch da, die möchte ich nicht leugnen, aber es ist nicht mehr meine Heimat. Es ist ein Ort der Kindheitserinnerungen.“ Heimat sei für sie positiv besetzt, es bedeute Zugehörigkeit und Geborgenheit. „Heimat können auch Werte sein“, betonte sie und ergänzte: „Es kann also auch das Grundgesetz eine Heimat sein. Wir leben in einer pluralistischen und vielfältigen Gesellschaft, da bildet das Grundgesetz das Fundament.“

„Sie sagen, Heimat sei für Sie sehr schwierig zu definieren?“, richete Michael Wehner seine Frage an Pfarrer Heinz Vogel. „Es bildet sich da eine Landschaft in mir: Kirchturm, Rebberg, Pappelwald, der Geruch von frisch gesägtem Holz und Stimmungen. Dann habe ich das Gefühl ich bin zuhause. Das verbindet sich dann auch mit Bildern, Gerüchen, Musik. Heimat ist für mich aber auch Familie.“

Der Familienbegriff habe sich geweitet, was denn Familie für einen katholischen Pfarrer bedeute, wollte Michael Wehner von ihm wissen. Er komme ja auch aus einer Familie und in seinem Beruf sei die Glaubensgemeinschaft Familie. Er berichtete außerdem: „Bei mir im Pfarrhaus leben gerade zwei junge Menschen aus Gambia, bei denen der Verlust von Familie spürbar ist.“ Auch das sei für ihn Familie betonte er.

„Herr Lepper, Ihnen hat man bei Ihrem Amtsantritt in Waldkirch einen Notfallkoffer mit verschiedenen Dingen wie einem Hexenbesen, einem Wein, übergeben. Brauchen Sie den noch?“, fragte Michael Wehner. „Mir werden die Türen geöffnet und es gibt einen großen Vertrauensvorschuss“, berichtete Christian Lepper. Das mache es einfach, Waldkirch mit Heimat zu verbinden.

„Sie sagen, dort wo Menschen sich eingebunden fühlen, fühlen sie sich zuhause. Ist eingebunden sein nicht Zwang?“ Es sei doch jeder Mensch, wie schon Frau Aras erwähnt habe, wie ein Mosaiksteinchen. „Man ist in verschiedene Strukturen eingebunden, da gehöre ich hin. Das ist Heimat.“ Für ihn seien es weniger Orte oder Situationen, sondern die Menschen, die für ihn Heimat bedeuteten, betonte Christian Lepper. „ Mann kann überall Heimat finden, weil man überall Menschen finden kann, an die man sich bindet.“

Muhterem Aras ergänzte: „Es verändert sich in dieser Beziehung auch etwas. Man kann Heimat auch wo anders finden, wenn man sich zugehörig, als Teil der Gesellschaft fühlt.“

„Was ist verlogen am Heimatbegriff?“, möchte Michael Wehner wissen. „Es gibt Kräfte, die die Definition des Begriffs Heimat zur Ausgrenzung nutzen. Man schließt bestimmte Menschen aus. Die Mehrheit würde Heimat aber so beschreiben, wie wir das tun“, so Muhterem Aras. Vielfalt könne auch Herausforderung sein. „Man muss die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen. Das ist die Aufgabe der Politik, Sicherheit zu vermitteln und das Vertrauensverhältnis wieder aufzubauen.“ Es gelte vor allem Antworten auf Fragen zur sozialen Infrastruktur zu geben, nach dem Sozialstaatsprinzip zu handeln und für gleiche Lebensbedingungen zu sorgen.

„Kann Glaube Heimat sein?“ Heinz Vogel Menschen sagte, dass Menschen im Glauben noch einmal einer geweitete Heimat fänden. Es gebe Schwestern und Brüder weltweit, das sehe er aber nicht als exklusiv an.

„Man muss dabei auch immer an die Menschen denken, die Atheisten sind, das Grundgesetz bezieht alle ein, da wird nicht danach gefragt, ob ein Mensch glaubt. Diese Grundwerte stiften Heimat“, betonte Aras dagegen.

Die Frage, ob die Kirche nicht dem Staat folgen müsse, beantwortet die Landtagspräsidentin so: „Die Religionsfreiheit steht im Grundgesetz festgeschrieben, aber keine Religion steht über dem Grundgesetz. Die Kirchen sind auch tragende Säulen für den Zusammenhalt der Gesellschaft.“

Wehner fragte dann: „Welche Bedeutung hat für Sie Familie Frau Aras und ist Familie heute noch zeitgemäß?“ Für sie sei die Familie immens wichtig, sie halte ihr den Rücken frei. „Die Familie ist mein Ruhepol, mein Kraftanker“, betonte sie und bemerkte: „Seit 32 Jahren bin ich mit dem selben Mann verheiratet, ja Familie ist mir sehr wichtig.“

Die nächste Veranstaltung aus der Reihe „Heimat und Familie“ zum Thema „Jugend“ findet am Donnerstag, 19. April, statt. Dann werden Roman Götzmann (Oberbürgermeister Stadt Waldkirch)
und Vertreter/-innen der Jugend: Sultan Atay (ehem. JGR ) und Charline Gantert (AJZ ) miteinander beim „musikalisch umrahmten Sofaplausch mit Drehorgel“ diskutieren.

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