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Heimat und Familie – Familienbild und Werte

Dass Familie auch heute noch eine wichtige Grundlage unserer Gesellschaft ist, bezweifelte keiner der Teilnehmenden an der Gesprächsrunde "Heimat und Familie – Familienbild und Werte", doch was "Familie" ausmacht, beziehungsweise ausmachen soll, in diesem Punkt unterschieden die Aussagen stark. Zur Gesprächsrunde hatte Alexander Schoch als Landesvorsitzender des Familienverbandes Baden-Württemberg die Leiterin des Dezernats II, Kultur, Bildung und Soziales, der Stadt Waldkirch und den Bundesvorsitzenden des Deutschen Familienverbandes Dr. Klaus Zeh eingeladen.

Theresa Kost von der Landeszentrale für politische Bildung moderierte den Abend und fragte Ilka Kern und Klaus Zeh zunächst, welche Bedeutung der Begriff „Heimat“ für sie habe. Vor allem die gegensätzlichen Erfahrungen der Gesprächspartner bis ins Erwachsenenleben hinein, prägten die jeweiligen Aussagen über den Begriff „Heimat“.

„Heimat ist für mich schon ein Gefühl, aber vor allem ist es ein Ort. Es ist die ganze Region mit den Bergen, dem Wetter, dem Grün, aber auch Genuss, das Essen, der Wein“, betonte Ilka Kern. Die enge Verbindung mit dem Elztal wurde ihr besonders bewusst, als sie für längere Zeit in Bielefeld lebte. „Es war auch das Wetter: dort war es immer neblig und kalt.“ Die Familie, das Aufwachsen, selbst Kinder zu bekommen und sich nun auch um die eigenen Eltern kümmern, spielten selbstverständlich auch ein Rolle.

Klaus Zeh hat bereits an vielen verschiedenen Orten gelebt, darunter Leipzig, Erfurt und Nordhausen. Er erzählte, dass seine Familie als gläubige Katholiken aus Schlesien in den Ostteil Deutschlands geflohen war, wo die Mehrheit dem evangelischen Glauben angehörte. So ergab sich für seine Familie gleichzeitig eine Distanz zum System und zur Stadt. Klaus Zeh sagt: „Jetzt in Nordhausen ist das anders, aber der eigentliche Ort für Heimat war immer die Kirche.“

Zur Bedeutung von Familie sagte Ilka Kern: „Familie hat einen wichtigen Stellenwert, sie ist die Keimzelle der Gesellschaft.“ Dass die Sehnsucht nach festen Bindungen wieder wichtiger werden in einer diffusen Welt, das betonte auch Klaus Zeh und er ist sich sicher: „Die traditionelle Familie wird eine Renaissance erleben. Treue und Verlässlichkeit sind einfach wichtige Werte.“

„Wird die Vater-Mutter-Kind-Familie das Zukunftsmodell?“, fragte Theresa Kost Ilka Kern und Klaus Zeh.

Ilka Kern berichtete: „In Waldkirch überwiegt die Familie mit zwei Kindern oder sogar drei.“ Einzelkinder gebe es dagegen sehr wenige. „Bei der Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten müssen wir uns darauf einstellen, denn die Erwerbstätigkeit der Frau setzt sich durch, auch wenn Frauen nicht arbeiten müssten.“ Sie beobachte in ihrem Arbeitsbereich, dass es auch Väter gebe, die ihre Arbeitszeit reduzierten.
Neben den wachsenden Kinderzahlen habe sich in Waldkirch auch der Anspruch auf einen Kindergartenplatz zunächst ab drei und seit 2013 auch unter drei Jahren, auf die Anmeldezahlen zusätzlich ausgewirkt. „Das ist für die Stadt Waldkirch schon eine Herausforderung“, so Ilka Kern.

Für Klaus Zeh ist die Erwerbstätigkeit von Frauen auch eine Existenzfrage. „Ein Einkommen für eine Familie von 35.000 Euro ist am Existenzminimum.“ Vor allem die Hartz-IV-Sätze für Kinder sieht er als zu gering an: „Der Satz sollte für Kinder genauso hoch sein wie für Erwachsene.“ Sie äßen zwar weniger, aber gerade im Bildungsbereich sei doch mehr Geld nötig als bei Erwachsenen. Auch die Sozialabgaben richteten sich nicht nach der Anzahl der Kinder.

Klaus Zeh berichtet im Osten von anderen Beobachtungen hinsichtlicher der in Familien lebenden Kinder. Es gebe hier deutlich weniger Kinder und er ist sich sicher, dass mit der Wiedereinführung des Kindergelds für Eltern, die ihre Kinder bis zur Schulpflicht zuhause erziehen, die Geburtenzahlen wieder nach oben gingen. Er berichtete vom Einsatz des Deutschen Familienbunds für das „Wahlrecht ab Geburt“, dass er bis zum Erreichen der Volljährigkeit den Eltern übertragen werden soll. „Die Eltern überlegen dann noch genauer, wem sie ihre Stimme geben.“

Schon diese Gesprächsrunde zeigte, dass es durchaus unterschiedliche Positionen vor allem zum Thema „Familie“ gibt. Der nächste Abend zum Thema wird am Mittwoch, 28. März, um 19.30 Uhr wieder im Gewölbekeller des Elztalmuseums stattfinden. Dann werden sich Muhterem Aras (Landtagspräsidentin), Pfarrer Christian Lepper (ev. Kirchengemeinde), Pfarrer Heinz Vogel (kath. Kirchengemeinde) und Dr. Michael Wehner (Landeszentrale für polit. Bildung BW, Moderation) darüber unterhalten, ob Familie auch heute noch der Ort ist, an dem Werte gelebt und vermittelt werden und welche besondere gesellschaftliche Verantwortung Politik und Kirche zukommen.

Info: Der Deutsche Familienverband wurde 1924 unter dem Titel "Bund der Kinderreichen" als eine erste Bürgerinitiative für und mit Familien gegründet. Wichtigste Aufgabe des Verbandes war, den von Wohnungs- und Arbeitslosigkeit bedrängten Familien zu helfen und die Interessen gemeinsam politisch zu vertreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bund als Deutscher Familienverband (DFV) wiedergegründet. Sein Sitz und die Bundesgeschäftsstelle sind seit der Wiedervereinigung nach Berlin verlegt worden. Seit seiner Gründung setzt sich der Deutsche Familienverband als Sprecher aller Familien für eine Politik ein, die die Familie in den Mittelpunkt jedes gesellschaftspolitischen Handelns stellt und ihre Leistungen anerkennt. Sein Engagement gilt dabei den Handlungsfeldern, die den Alltag von Familien und die Entscheidung für ein Leben mit Kindern am meisten beeinflussen: der wirtschaftlichen Situation, der Wohnsituation, der Absicherung im Alter und der Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsleben.

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